Ich wusste eigentlich schon recht früh, was ich einmal werden möchte, erst war es wie meine Oma Näherin, dann irgendwann Schneiderin, Modedesignerin und jetzt ist daraus Bekleidungstechnikerin geworden.

Ich hatte das große Glück das meine Großeltern während meiner Kindheit nebenan wohnten, daher war vorallem meine Oma schon früh ein Vorbild für mich. Sie war selber gelernte Näherin und arbeitete sehr lange in Ihrem Beruf. Als kleines Kind saß ich schon begeistert neben Ihr und staunte über alles was Sie mit der Nähmaschine zauberte.
Daher war früh für mich klar, dass will ich auch irgendwann mal machen!

In der Realschule kam mir dann ein Projekt sehr gelegen, in dem wir Kleidung selber nähten oder Secondhand-Mode verschönerten. Ich übernahm die Verantwortung und wurde “Geschäftsführerin”. Das ganze wurde dann so groß aufgezogen, dass wir eine Modenschau in der Aula organisierten und das Radio und die Zeitung dabei waren. Für 14-15 Jährige aufjedenfall das Highlight der Schullaufbahn und wieder wurde mir klar, Mode und Bekleidung ist der richtige Weg.

Während meines letzten Jahres auf der Realschule stand schon fest, dass ich nach meinem Abschluss eine Ausbildung als Schneiderin machen werde. Ich hatte wirklich Glück, ich war die jüngste Auszubildende bei einem der größten Modehersteller Deutschlands. Die 3 Jahre Ausbildung gingen wie im Flug vorbei und auch wenn die Arbeitszeiten nicht gerade was für mich als Morgenmuffel waren. Schon 6:45 Uhr in der Früh ging es an die Nähmaschine, komischerweise hab ich es 3 Jahre ohne Mukken und Murren durchgezogen und empfand es als garnicht schlimm.

Für mich war aber ebenso schnell klar, dass ich keine Schneiderin bleiben möchte. Handwerk ist halt Handwerk, der Lohn einer Schneiderin ist mit dem einer Friseurin zu vergleichen und wer sich damit auskennt weiß das dies gerade zum Leben reicht.

Da ich direkt mit 16 meine Ausbildung angefangen hatte, musste ich mein Fachabitur nachholen um studieren zu dürfen.
Durch die Ausbildung wurde mir das Fachabi auf 1 Jahr verkürzt. Also drückte ich mit 19 nochmals die Schulbank und holte mein Fachabitur nach. Und plötzlich waren meine Schulnoten gleich um 2 Noten besser. Es stimmt wohl das wenn man weiß wofür man etwas macht, gibt man mehr als 100%.

Ich wollte immer noch Modedesignerin werden, also nahm ich mir das Erstellen einer Bewerbungsmappe vor und nahm sogar Nachhilfe bei meiner Großtante, die Künstlerin ist. Doch man stellt es sich leichter vor als gedacht, einfach ein paar Bilder zeichnen oder malen, zeigen was man drauf hat reicht einfach nicht. Man muss alle Seiten seines Könnens zeigen und einen roten Faden haben der durch die Mappe führt.
Viele viele Tränen und Absagen an 3 Unis führten mir dann vor Augen, dass Spaß an Mode und gerne Zeichnen und Malen einfach nicht reichen. Also probierte ich es mit einer Bewerbung für Modejournalismus an der AMD in Hamburg. Durch Kontakte hatte ich sogar schon einen Praktikumsplatz bei einer großen Frauenzeitschrift in Hamburg sicher, nach meinem Fachabitur.
Doch auf das Drängen meiner Familie hin, probierte ich es auch mit Bewerbungen an anderen Fachhochschulen.

Und siehe da, 2 Wochen bevor das Semester begann und alles für das Praktikum in Hamburg schon vorbereitet war, kam die Zusage aus Mönchengladbach. Einen Tag später hieß es schon einschreiben und zum Übergang die nächsten Wochen planen, denn ein Umzug in 2 Wochen war unmöglich.
Von da an war klar, ich werde Bekleidungstechnik an der FH Niederrhein in Mönchengladbach studieren.

Jetzt bin ich im 6. Semester und ich muss sagen das es die richtige Entscheidung war.
Modedesign wäre nicht das Richtige für mich gewesen. Ich muss nähen und organisieren, unterwegs sein und nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen.
Auch wenn das Studium anstrengender und härter war als zu Anfang gedacht, hab ich es doch bis jetzt gemeistert und werde auch noch den Rest schaffen.

Ich habe meinen Weg gefunden, auch wenn er oft sehr spontan und überraschend war ist es mein Weg und ich bin sehr Glücklich darüber.