Ich hatte alles so gut geplant, denn planen ist etwas was ich wirklich gut kann.
Ich hatte mir im Internet die Finger wund gesucht und 1 Kleid gefunden was mir wirklich gut gefiel, ein passendes Haarband gab es auch noch im Onlineshop, mein Glückstag.
Alles kam innerhalb von wenigen Tagen bei mir an, gespannt packte ich schnell das Päckchen aus, doch da kamen mir schon die ersten Zweifel. Das Kleid sah im Onlineshop irgendwie schöner aus, an dem blonden großen Model saß es schöner und war nicht so lang wie bei mir, dachte ich sofort. Doch angezogen war ich ersteinmal glücklich, dann kürzen wir es halt!
So mussten jetzt nur noch Schuhe und Tasche her um das Outfit komplett zu machen.
Am Sonntag darauf hatte unsere Stadt „Tag der offenen Tür“ und damit begannen meine Zweifel.
Der Anzug für meinen zukünftigen war schnell gefunden und ich war sofort hin und weg, schick und so elegant… daneben sehe ich doch aus wie ein Hippiemädchen das die Jahreszeit und den Termin verwechselt hat und völlig falsch angezogen ist.
Naja ich dachte wenn ich die passenden Schuhe und Tasche finde, bekommt das Kleid einen eleganteren Auftritt. Schuhe und Tasche wurden schnell gefunden doch schon am nächsten Tag bekam ich Zweifel an meiner Wahl. Die Schuhe sitzen doch ziemlich eng und 13cm sind für eine Hochzeit doch ein bisschen zu viel des Guten und die Tasche? Was habe ich mir dabei gedacht?
Also wurde alles schnell umgetauscht. Ich lag Abends weinend im Bett und war ganz und garnicht mehr von meinem Kleid überzeugt. Mein Schatz nahm mich in die Arme und redete mir so lange gut zu bis ich selber wieder wusste was ich wollte. Ich wollte mir doch mein Kleid selber nähen, warum habe ich dann eines gekauft?
Also durfte am nächsten Tag auch das bestellte Kleid sich wieder auf den Heimweg machen und ich besuchte den nächsten Stoffladen um die Ecke, da mir noch in der Nacht „DIE IDEE“ zum Kleid kam. 25€ mehr hat mich der Stoff für mein Standesamtkleid nicht gekostet, voller Motivation ging es nach hause und ich fing am selben Abend mit dem Nesselschnitt an. Doch an eines hatte ich nicht gedacht, wann soll ich das Kleid nähen?
Ich arbeite 2 Tage die Woche und gehe an 3 Tagen zur Uni, dazu habe ich den kompletten November jeden Samstag Methodenseminare, da bleiben nur noch 2-3 freie Wochenenden.

Jetzt liegt der Stoff neben mir seit 3 Wochen und ich bin nicht weiter gekommen als die Spitze über den Unterrock zu stecken. Ich schaue auf den Kalender und sehe das Datum immer näher kommen und gerate wieder in Zweifel. Soll ich mir in den Arsch beißen und das Kleid fertig nähen von dem ich noch nicht einmal weiß ob es überhaupt so wird wie ich es mir vorstelle ?
Soll ich mir lieber ein Kleid kaufen von dem ich weiß das es passt und ich mir keinen Stress machen muss? Anscheinend kann ich doch nicht sooo prima planen und gerate jetzt unter Zeitdruck.
Ich werde noch einmal in mich gehen und versuchen auf mein Herz zu hören, was es mir sagt.
Es hilft mir natürlich sehr viel weiter, dass anscheinend alle Anderen schon genau wissen was sie zu meinem „großen Tag“ tragen werden, wer weiß es nur nicht?

Genau, die Braut!